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Learn for tomorrow?!

Aktualisiert: 11. Mai 2023

Blogserie: Karriere auf den Kopf gestellt (Teil 2)


Wir verlassen uns gerne auf unsere Erfahrung. Arbeitgeber schätzen besonders langjährige Erfahrung von Mitarbeitenden. Dabei dreht sich bei Karrierewegen oft alles um die Frage: Wie lange haben wir bereits in einem Bereich oder in einer Rolle gearbeitet? 10 Jahre Erfahrungen vorzuweisen bringt uns häufig eine gewisse Seniorität und Glaubwürdigkeit. Es ist eine Art Beweis, dass wir etwas «handeln» können. Sonst heisst es oft: Du hast zu wenig Erfahrung. Unsere Seriosität wird durch eine passende Qualifikation in dem jeweiligen Bereich verstärkt. Dafür spezialisieren wir uns häufig in einer Disziplin. Aus der Forschung wissen wir, dass wir rund 10 000 Stunden aufwenden müssen, um «Mastery» in einer Disziplin zu erreichen.


Arbeitnehmende verlassen sich auch gerne auf ihre Erfahrungen. Es ist einfach und passiert fast automatisch. Experten berufen sich häufig auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Dabei gehen wir davon aus, dass uns ähnliche Situationen, Fragen und Themen im Umfeld begegnen, die wir bereits aus der Vergangenheit kennen und wir unser bekanntes Wissen anwenden können. In 15 Jahren Berufserfahrung in einem Bereich wiederholen sich die Erfahrungen, die wir sammeln. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir auf Situationen im «download» Modus reagieren, d.h. wir hinterfragen nicht mehr kritisch, sondern spulen abgespeichertes Wissen ab, ohne lange darüber nachzudenken. Es stellen sich die Fragen:


Wird uns ein tiefer Erfahrungsschatz in einem Bereich zukünftig Chancen ermöglichen?


Wie stellen wir sicher, dass wir die richtigen «Erfahrungen» machen, d.h. Erfahrungen, die uns wirklich weiterbringen?


Erfahrungen machen wir so oder so, wenn die Zeit vergeht. Unsere Erfahrungen sollten allerdings nicht hinderlich sein, um neuen Fragestellungen zu begegnen. Denn die neue Komplexität zeigt deutlich, dass sich Situationen, Fragen, Rahmenbedingungen etc. für Arbeitnehmende zukünftig schnell verändern werden. Diese neuen Wege erlauben uns, neue Probleme zu lösen, neue Fragen zu stellen, d.h. ein Umgang mit dem «Neuen» lernen. Wir brauchen Erfahrungen, die uns helfen eine mentale Flexibilität und Bandbreite in jedem Alter zu entwickeln, um zum Beispiel Expertise aus einer Themen Domäne in einer komplett neuen anwenden zu können.


Diverse Erfahrungen in verschiedenen Kontexten zu sammeln wird wichtiger sein als immer gleiche oder ähnliche Erfahrungen über lange Zeit zu sammeln.


Auch 10 Jahre Erfahrung in einem Bereich bedeutet noch nicht, dass wir diese Tätigkeit «gut» ausüben. Woher wissen wir, welcher Qualitätsanspruch dahintersteckt?Haben wir uns in dieser Zeit verbessert?


Neue Karriere- und Lernwege entstehen


Einige Stimmen aus dem Silicon Valley sprechen von sogenannten "Tours of duty" welche Arbeitnehmende im Unternehmen durchlaufen. Auf einer «Tour» lernt man im ersten Jahr den Kontext der Rolle kennen, im zweiten Jahr kann man erste Veränderungen angehen und diese Projekte dann daraufhin erfolgreich begleiten. Unternehmen werden zukünftig gar nicht mehr in der Lage sein, Mitarbeitenden eine traditionelle, lineare Karriereentwicklung zu bieten. Dafür verändert sich einfach zu viel und zu schnell. Die Fragen "was willst du mal werden, wenn du gross bist?" oder "wo siehst du dich in 5-10 Jahren?" werden eine völlig neue Bedeutung bekommen. Denn Karriere ist kein fixer Endzustand zum Zeitpunkt ×, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsweg...


Wer macht seinen/ihren Job heute noch wie vor 3 Jahren? Wie wird sich dieser in den nächsten 3 Jahren entwickeln?

Lernen wir auch das, was wir in dem Job lernen wollen? Lernen wir das, was wir zukünftig auf dem Arbeitsmarkt brauchen?


Sogenannte m-shape Wissensportfolios können Arbeitnehmenden zukünftig helfen arbeitsmarktfähig zu bleiben. Sie bieten eine hohe Flexibilität in Breite und Tiefe von Wissen in verschiedenen Themen / Domänen. Ziel ist es mit dem «m» shape multiple, tiefe Fähigkeiten in mehreren Disziplinen zu erlangen und mit Flexibilität Wissen auf andere Bereiche anzuwenden. Hier ist eine Balance hilfreich: nicht zu viel neues lernen, um keine Überforderung herbeizuführen, und genug neue Impulse erhalten, um die jetzigen Wissensgrenzen zu durchbrechen. Dabei können uns folgende Leitfragen im Arbeitsalltag begleiten:


  • Wer ist die interessanteste Person, mit der du letzte Woche gesprochen hast?

  • Was ist die interessanteste Aufgabe der letzten Woche?

  • Was ist das Interessanteste, was du letzte Woche gelesen hast?


Denn zukünftig wird es wichtiger sein, sich in Themen reinzuarbeiten und gleichzeitig generelle Verbindungen/Muster zwischen Bereichen zu erkennen und daraus Neues entstehen zu lassen. Wir sehen Themen nicht isoliert voneinander, deren Inhalte man sich immer von vorne erarbeiten muss.


Arbeitnehmende machen tendenziell lieber die Dinge, die sie nicht wachsen lassen. Sie wollen ihre Stärken nutzen und schnelle Ergebnisse erzielen. Sie wiederholen eher das, was sie bereits können als Neues zu lernen. Wir werden uns immer wieder auf neue Arbeitsabläufe, Aufgaben, Technologien einlassen müssen. Etwas Neues zu lernen wird somit zu einer Investition in den Erhalt der eigenen Leistungsfähigkeit.


Das bedeutet, es auszuhalten als naiv angesehen zu werden beim Fragen stellen nach neuen Themen und Gebieten. Gleichzeitig heisst es auszuhalten, dass komplexe Fragen nicht sofort beantwortet werden.


Es bedeutet, dass wir die Grenzen unseres Wissens kennen, hinterfragen und verschieben lernen. Aber wie?


Multidimensionales Lernen in-the-flow-of-work


Früher waren es oft Reize von aussen, die uns vorgegeben haben, was wir zu einem Zeitpunkt lernen sollten, um weiterzukommen: Learning-as-told. Zum Beispiel gab ein Arbeitgeber vor einen bestimmten Abschluss absolvieren zu müssen oder eine Qualifikation zu erlangen. Im Human Resources Bereich wurde bisher häufig auf klassische Entwicklungswege und formale Programme gesetzt, welche einen linearen Karriereweg von A nach B unterstützen. Diese Wege sind oft hierarchisch motiviert und mit vordefinierten Rollen verbunden. Denn Arbeitgeber haben oft klar strukturierte Lernwege implementiert, welche die notwendige Erfahrung für die Laufbahnen Fach und Führung vorgeben.


Das Lernverhalten von Arbeitnehmenden hat sich allerdings grundlegend verändert. Diese haben maximal 24 Minuten pro Tag für formales Lernen zur Verfügung und fordern somit klassische Lernansätze heraus. Der «modern learner» ist häufig abgelenkt, ungeduldig und überwältigt (Bersin by Deloitte). Zukünftig lässt das Lernen in-the-flow-of-work die Grenzen zwischen angeeignetem Wissen und Erfahrungen im Arbeitsalltag schmelzen. Wir können das lebenslange Lernen aktiv im Arbeitsalltag integrieren. Je mehr wir in verschiedenen Kontexten lernen, je mehr können wir unser Wissen / Beispiele aus einem Gebiet abstrahieren und in völlig neuen Situationen einbringen und anwenden. So bringen wir beispielsweise Wissen aus dem Bereich Marketing in Sales oder Product Development ein. Dieses multidimensionale Vorgehen rückt Kreativität, Ausprobieren und Prototyping in den Vordergrund statt Unterbrechungen zwischen fixen Karrierestationen.


Das Lebenslange Lernen bedeutet auch, sich sogenannte «Portable» Fähigkeiten anzueignen, welche über verschiedene Themen hinauswirken, und diese gezielt verbinden.


Damit Wissen flexibel, abteilungsübergreifend anwendbar wird, sollte es unter verschiedenen Bedingungen gelernt werden.


Es geht darum, die eigenen Kompetenzprofile regelmässig für bedeutungsvolle Aufgaben zu nutzen. Dabei geht es um das Weiterdenken von Informationen, hinterfragen und neu zusammenbringen, verknüpfen mit bereits bestehendem Wissen, nutzen unterschiedlicher Sources und kontinuierliches Updaten. Wir tasten uns durch unsere Neugier an das Unbekannte heran. Dabei hilft es, den eigenen Anspruch zu definieren sowie den Kontext des Lernens festzulegen. Unsere Neugier leitet das selbstbestimmte Lernen und hilft uns, verschiedenen Themen in einem Portfolio nachzugehen. Dieses neue multidimensionale Lernen bedeutet, sich gleichzeitig für verschiedene Themen oder Fragen begeistern zu können und zu entscheiden, welcher Raum diesen gegeben wird und wie sich diese ergänzen.



The «&»


Unsere Blogserie geht weiter …freu dich auf einen weiteren Beitrag zur Karriere auf den Kopf gestellt und folge uns auf unseren Social Media Kanälen!

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