Fehlerkultur neu denken: Vom Suchen nach Schuld zur lernenden Organisation
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- 20. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

In vielen Unternehmen wird mit Fehlern noch immer defensiv umgegangen. Statt sie offen anzusprechen, werden sie oft verschleiert oder relativiert, nicht aus bösem Willen, sondern aus Gewohnheit, Angst oder dem Wunsch, „reibungslos weiterzumachen“. Diese Haltung verhindert jedoch nachhaltiges Lernen und echten Fortschritt.
Zwar gibt es branchenübergreifend Bestrebungen, Fehlerkultur neu zu denken - etwa durch agile Methoden oder sogenannte „Failure-Veranstaltungen“, in denen Rückschläge geteilt werden sollen. Doch wie ehrlich ist dieser Umgang wirklich? Wird tatsächlich gelernt oder lediglich besser kaschiert?
Die Luftfahrtindustrie
Der britische Autor und Journalist Matthew Syed nennt in seinem Buch „Black Box Thinking“ die Luftfahrtindustrie als gutes Beispiel für eine funktionierende lernende Kultur. Sie zeigt, wie ein offener Umgang mit Fehlern nicht nur möglich, sondern überlebenswichtig ist und dabei ganze Systeme verbessert werden können. Was macht diese Branche anders?
Transparenz und Kooperation
Nach einem Flugunfall wird der Flugschreiber - die „Black Box“ – nicht ausgewertet, um jeden Hinweis auf systemisches Versagen zu analysieren. Diese Erkenntnisse werden international geteilt über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg.
Fehler als Motor für Fortschritt
Fehler gelten weniger als individuelles Versagen, sondern als wertvolle Informationsquelle. Sie sind der Treibstoff für Verbesserung, Sicherheit und Innovation. Diese Haltung erlaubt es, konsequent aus Rückschlägen zu lernen.
Systemisches Lernen statt individueller Schuldzuweisung
Syed beschreibt einen entscheidenden Perspektivwechsel: Weg vom reflexhaften „Wer war schuld?“ - hin zu „Was im System hat nicht funktioniert?“ Diese Haltung ermöglicht kontinuierliche strukturelle Anpassungen, ohne den Druck auf Einzelpersonen zu erhöhen. Die Folge: mehr Offenheit, mehr Vertrauen, mehr echtes Lernen.
Was Unternehmen daraus lernen können
Fehlerkultur beginnt nicht mit einem Workshop oder einem Plakat im Flur, sondern mit einer Haltung:
Sind Fehler erlaubt? Wird offen gesprochen oder taktvoll geschwiegen? Wird Schuld verteilt oder Verantwortung geteilt?
Eine lernende Organisation entsteht dort, wo Fehler nicht als Schwäche, sondern als Chance begriffen werden. Wo nicht Rechtfertigung im Mittelpunkt steht, sondern Erkenntnis. Und wo es Raum gibt, Systeme zu hinterfragen, statt Menschen zu beschuldigen.




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